Heimatmuseum Östringen





Die geheimnisvolle Dame
in der Kirchenwand


Täglich gehen viele Menschen achtlos an der Grabsteinplatte aus rotem Sandstein an der Längswand der Cäcilienkirche in Östringen vorbei. Darauf  ist ein Mädchen mit einem Rosenkranz um die gefalteten Hände zu sehen. Auf ihre Schultern fällt offenes Haar, das ein Kranz um die Stirn zusammen hält. Die zu Rüschen gefältelte Halskrause rahmt das Kinn ein. Das faltenreiche Gewand reicht bis auf die Füße. In dem Wappen unter der Figur knabbert ein sitzendes Eichhörnchen. Als Rahmen umschließt ein verwittertes Schriftband das Relief.
„Anno 1573, den 7. August starb die erbar und tugendsame Jungfrau Maria der selen Gott gnädig und barmherzig sie Amen.“



Interessierte Passanten fragen : Wer ist dieses Mädchen und wie kommt seine Grabplatte in die Kirchenmauer?
Der ehemalige Ratschreiber Josef Hartlieb meinte, sie habe einer in Östringen ansässigen Adelsfamilie angehört. Sie könnte aber auch die Tochter des Bürgermeisters Menck gewesen sein, der in ihrem Todesjahr der Gemeinde vorstand.
Das schloss er aus dem Eichhörnchenwappen. In den Wappenbüchern existiert  nämlich das sitzende Eichhörnchen in Verbindung mit Familien namens Menck.



Der Verfasser des Heimatbuches  ,Östringen,  Geschichte einer Stadt, Dr. Theodor Brauch schließt aus dem Wappen, Maria entstamme einem Kraichgauer Adelsgeschlecht.. Er schreibt: „In der evangelischen Kirche in Kürnbach befindet sich das Renaissance - Epitaph des im Jahre 1598 verstorbenen Bernhard von Sternenfels mit seiner Gemahlin Maria Agatha von Sternenfels geborene von Weitershausen.“ Um ihre adlige Herkunft nachzuweisen, sind für sie acht Wappen angebracht, darunter auch das Wappen mit dem Eichhörnchen als das Wappen der Familie Brägel. Weitere Schreibweisen des Namens sind auch Broglin und Prögel.
Aber wie kam diese Grabplatte der Maria Broglin in die Außenmauer der Kirche? Kaum dreißig Jahre nach dem Tode Martin Luthers bestimmten die Feudalherren über die Glaubenszugehörigkeit ihrer Untertanen. Es spricht einiges dafür, dass Maria nicht in einer protestantischen Kirche im Kraichgau bestattet werden sollte, sondern in katholisch geweihter Erde. Sie fand ihre letzte Ruhe vor dem Marienalter im Innern der Östringer Kirche. Als diese um 1750 renoviert wurde, verwendeten die Bauleute die Grabplatte in der Außenwand. (Bac)

Bildtext: Grabstein der Maria Broglin, Rechteckplatte aus rotem Sandstein; im vertieften Feld Relief eines betenden Mädchens. Maße:138 x 53 x 4,5 cm; umlaufende Inschrift und Wappen der Familie Broglin, sitzendes Eichhörnchen.(Foto Rüdiger Kasten)



Johannes Battlehner Straße in Östringen

Oft hört man aus der Bevölkerung die Frage, "warum eine Battlehner-Straße in Östringen" und "wer war eigentlich Johannes Battlehner"

Hier die Antwort auf die zweite Frage.

(Die Informationen sind entnommen der „Battlehner-Chronik ab 1448 von Hartmut und Isolde Battlehner“.)

 

Johannes Battlehner, geboren am 26. November 1792 in Philippsburg, gestorben am 28. Mai 1837 in Östringen. Lehrer in Karlsruhe und Wiesloch und  seit 1824 in Östringen; verheiratet mit Philippine geborene Wetzel, Industrielehrerin; Kinder Sigmund, Malchen und Ferdinand.

 

Johannes Battlehner war ein tüchtiger Pädagoge. Er überzeugte die Eltern, ihre Kinder während des Winterhalbjahres in die Schule in (Hirtenschule) zu schicken. Er sorgte für räumliche Verbesserungen im Schulgebäude in der Hauptstraße 113 und deren Ausstattung. Nach Besuchen der Schulaufsicht bekam er viel Lob und Anerkennung und als Belohnung auch Gehaltserhöhungen. Mit seinen eigenen Kindern spazierte er durch Wald und Flur, um sie mit der Natur vertraut zu machen.

 

Zur Beliebtheit der Familie trug auch seine Frau bei. Als Stadtmensch aus gutem Hause und als kompetente Lehrerin genoss sie hohe Wertschätzung in der Bevölkerung. Bis zu ihrem Tode mit 86 Jahren hielt sie persönliche Kontakte zu Östringer Familien aufrecht.

Ihr berühmter Sohn Medizinalrat Dr. Ferdinand Battlehner ließ sich in Östringen beerdigen und die Gebeine der Mutter ebenfalls hierher überführen. 



Dankbare Schüler setzten auf das Grab ihres verdienten Lehrers einen Gedenkstein.

(Bac)









„Die Rattemühl“ – ein irreführender Name

 

Östringen: Die Besitzer der Rattemühl in der Hauptstraße sind nicht glücklich über die im Ort gebräuchliche Bezeichnung für die ehemalige „Neumühle“. Heute steht Gabriele Klefenz, die Tochter des letzten Mühlenbesitzers Josef Klefenz über der Sache. Aber als Kind litt sie gehörig, wenn sie als „die aus der Rattemühl“ identifiziert wurde.

Tatsächlich erfreuen sich die Ratten keinerlei Sympathien bei den Menschen. Im Mittelalter galten sie als verhasste Verbreiter der Pest, die sich vom Unrat ernähren und in stinkenden Kanälen leben. Was lag näher, als den Namen Rattemühl  in Zusammenhang mit den unhygienischen Nagern zu bringen. Erscheint doch die Mühle am Wasser mit einem Überangebot an Nahrung als idealer Aufenthaltsort für diese gefräßigen Tiere. Aber weit gefehlt.

Helmut Essert vom Freundeskreis des Heimatmuseums stöberte in der Geschichte der Östringer Mühlen und stieß dabei auf  die Veröffentlichung von Julius Kretz , Geschichte der Mahlmühlen des Kraichgaus und Bruhrains, in den Bruchsaler Geschichtsblättern auf die wahre Herkunft des Namens.

 „1847 kaufte Gemeinderat Mathäus Schwarz die Mühle. 1854 ging die Mühle an Georg Michael Rattelmüller aus Scharndorf (Bayern) um den Preis von 7460 Gulden über.“ Demnach geht der Name auf einen ehemaligen Beistzer zurück und hat nichts, aber auch gar nicht mit den Ratten, sondern nur mit Herrn Rattelmüller zu tun.

Wenn mit dieser Veröffentlichung von der Familie Klefenz das Odium  genommen ist mit den Ratten unter einem Dach zu wohnen, wird es noch geraume Zeit brauchen bis sich diese Erkenntnis im Bewußtsein der Allgemeinheit durchsetzt.

Der Großvater von Gabriele geborene Klefenz erwarb die Mühle von der Volksbank Östringen. Leider brannte sie im Jahre 1930 vollkommen aus, wurde aber wieder aufgebaut und erneuert. Erst am 1.08 1979 stellte sie ihren Betrieb ein.

Stefan Bachstätter.

 

Bildunterschrift: Die ehemalige Neumühle in der Östringer Hauptstraße gehörte einem Georg Michael Rattelmüller und wurde fälschlich „Rattenmühle“ genannt.

Öffnungszeiten des Heimatmuseums: Jeden zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. E-mail: info@museum-oestringen.de oder breitner-kh@vodafone.de und Tel. 07253 21372

Zum Tag des Denkmals


Der Johannisbrunnen versorgte seit Beginn des 17. Jh. das Unterdorf mit Wasser


Östringen: Seit mehr als 400 Jahren läuft ein dicker Wasserstrahl aus einem der drei Rohren des Johannisbrunnens in der Hauptstraße. Bis zur Verlegung der Wasserleitung versorgte er als der ergiebigster der drei Laufbrunnen den Großteil der Bevölkerung vor allem aber das Unterdorf mit gesundem Trinkwasser.
An der Stelle seines Vorgängers ließ ihn die Gemeinde im Jahre 1845 nach dem Entwurf des Wasser-  und Straßenaufsehers Wassmer von den Steinhauern Lachenauer und Eberhard aus Kürnbach fertigen und aufstellen.
Auf dem Brunnenstock stehend sorgt die vom Bruchsaler Steinmetz Günther geschaffene gelbe Sandsteinfigur des heiligen Johannes aus Nepomuk als Patron der Brücken und Brunnen dafür, dass der Brunnen nicht versiegt. Wetter und Abgase setzten der Statue zu, so dass sie ersetzt wurde. Das Original befindet sich im Heimatmuseum. An das Hauptbecken schlossen sich zu beiden Seiten lange Steintröge an, die eine gründliche Renovierung im Jahre 1909 überstanden und bis 1981 als Löschwasserreserve dienten.
Am Dorfbrunnen holten die Anwohner das Trinkwasser, besorgten die kleine Kleiderwäsche, tränkten das Vieh und hielten ein Schwätzchen.
Der Brunnenmeister hatte es nicht leicht, die drei Lauf- und neun Pumpenbrunnen instand zu halten. Über den Winter musste er sie als Schutz gegen den Frost mit Stroh einbinden. Im Frühjahr versteigerte er es zusammen mit dem angefallenen Mist. Das Quellwasser wurde teilweise in Eisenrohren, teilweise aber auch in Holzrohren, sogenannten Deicheln zu Brunnen geleitet. Diese waren wenig widerstandsfähig und mussten oft ausgewechselt werden. Ihre Herstellung erforderte außerordentliche Geschicklichkeit und manches Stück gelang nicht. Fiel der Brunnen aus, gingen die Leute recht grob mit dem Verantwortlichen um. Sie schalten ihn auch, wenn er den Brunnen nicht sauber hielt.  So mahnt eine Inschrift auf der Südseite: „Auf Verunreinigung des Brunnens wird mit 1 Gulden  ferner Beschädigungen mit 2 Gulden je nach Befund bestraft.“ 
Stefan Bachstätter.




Die Linde auf dem Rathausplatz






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